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Archiv für Februar 2007

Kommen wir zu spät?

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Was Saidiya Hartmann in „Lose your mother. A Journey along the Atlantic Slave route“ (2007) für Ghana schreibt, stimmt wahrscheinlich auch für Nigeria:

„I had come to Ghana too late and with too few talents. I couldn’t electrify the country or onstruct a dam or build houses or clear a road or run a television station or design an urban water system or end to the sick or improve the sanitation system or revitalize the economy or cancel the debt. No one had invited me. I was just … about as indispensable as a heater in the tropics.”

Es fällt mir schwer, dieser resignativen Betrachtung nicht zu zustimmen.

Geschrieben von jschmillen

12. Februar 2007 um 0:33:14

Veröffentlicht in Geschichten, Nigeria

Niger-Delta: Entführung ist ein dreckiges Geschäft

ohne Kommentare

In Fast jedem Monat des vergangenen Jahres wurden Menschen im Niger-Delta entführt. Fast schon was wie eine alltägliche Routine. Mal verschwinden in einem Monat mehr als 20 Europäer aus fast zehn verschiedenen Ländern . Wo? Im so-genannten Niger-Delta im Süden Nigerias. Das erdölproduzierende Gebiet des bevölkerungsreichsten Staates Afrikas überschwemmt die Region mit Nachwirkungen aus Jahren rücksichtslosen Raubbaus. Sei es nun stinkender Himmel wegen Abfackeln von Gas oder seien es die unwürdigen Behausungen für eine vernachlässigte Bevölkerung auf einfachstem Niveau, wo es einfach an allem fehlt. Das Niger-Delta ist ein Gebiet, aus dem Milliarden US-Dollar geschöpft wurden und werden. Diese Milliarden versickern in vielen ungezählten Kanälen des nigerianischen Korruptionssumpfes, aber sind kaum in der Region selbst spürbar, die einen Verteilungsdarwinismus ausgelöst hat.
Und weil Bundesstaat und Bundesregierung sich höchstens im Aussitzen bzw. Nichtstun bei der Lösung der Probleme überbieten, greifen die Menschen zu anderen Mitteln, um an die Finanzmittel zu kommen, von denen sie glauben, dass sie ihnen zustehen. Entführung wird so zu einem dreckigen Substitutionsgeschäft, zu einem Transfer über Umwege, an dem die Verteilungsprofiteure und Verbesserungsboykoteure wiederum mitverdienen, wenn sie es nicht gar in einer perfiden Art und Weise in Gang gesetzt haben. Die Jungmilitionäre und Möchtegernmillionäre greifen sich die europäischen Arbeiter der in der Region agierenden Unternehmen gezielt und verstecken sie in dem undurchdringlichen Mangrovenwäldern. Dann werden politische Forderung erhoben, beliebt zum Beispiel die Forderung nach der Freilassung von regionalen Führern und in diese Forderung kommt dann als Mischkalkulation für die Begleichung der entführungsbedingten Kosten schnell Wünsche in Millionenhöhe. Selbst Auftragsentführung wird auf Wunsch erledigt. Bei Schlauchbootpiraten kann man sich für 35.000 US-Dollar wunschgemäß Geiselnachschub organisieren.

Wie wird daraus ein Geschäft? Ganz einfach. Erst einen Auftrag an einen Subunternehmer, der die Entführung organisiert und bewerkstelligt, dann werden Unterhändler ausgesucht, die nach einer gewissen Wartezeit eine nette Auslieferungssumme aushandeln. Dann fliesst das Geld vom Bundesstaat Richtung Entführergruppe, davon werden die Verhandler bedient und auch die Gemeinde, aus der die Gruppe kommt, erhält ihrem Anteil, ehe der Großteil wieder in die Taschen (jetzt aber die privaten Taschen) des Auftraggebers fließt.

Geschrieben von jschmillen

4. Februar 2007 um 23:07:23

Veröffentlicht in Geschichten aus Nigeria, Nigeria